Was Aussteuerung bedeutet, wann sie eintritt, welche Wege es für ungekündigte Beschäftigte gibt und welche Meldungen und Pflichten auf Arbeitgeber zukommen.
Kurz beantwortet: Aussteuerung bedeutet, dass die Krankenkasse kein Krankengeld mehr zahlt, weil der Höchstanspruch erschöpft ist: 78 Wochen wegen derselben Krankheit innerhalb von drei Jahren (§ 48 SGB V). Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung werden dabei mitgezählt. Das Arbeitsverhältnis endet durch die Aussteuerung nicht. Wer weiter arbeitsunfähig ist, kann über die Nahtlosigkeitsregelung Arbeitslosengeld beziehen (§ 145 SGB III). Arbeitgeber melden den Beschäftigten einen Monat nach Ende des Krankengeldes mit Abgabegrund 34 ab.
Stand: Oktober 2026.
Ausgesteuert ist, wer wegen derselben Krankheit die Höchstbezugsdauer des Krankengeldes erreicht hat. Maßgeblich ist eine sogenannte Blockfrist von drei Jahren ab Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit. Tritt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, verlängert sich die Bezugsdauer nicht (§ 48 Abs. 1 Satz 2 SGB V).
| Zeitraum | Leistung | Wer zahlt | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Woche 1–6 | Entgeltfortzahlung 100 % | Arbeitgeber | § 3 EFZG |
| ab Woche 7 | Krankengeld (70 % des Bruttos, höchstens 90 % des Nettos) | Krankenkasse | § 47 SGB V |
| Ende Woche 78 | Aussteuerung, Krankengeld endet | – | § 48 SGB V |
| danach | ggf. Arbeitslosengeld (Nahtlosigkeit), Rente, Reha | Agentur für Arbeit / Rentenversicherung | § 145 SGB III |
Das Höchstkrankengeld beträgt 2026 brutto 135,63 € pro Kalendertag (70 % von 193,75 €, der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung).
| Situation | Möglicher Weg |
|---|---|
| wieder arbeitsfähig | Rückkehr an den Arbeitsplatz, gegebenenfalls über eine stufenweise Wiedereingliederung |
| weiter arbeitsunfähig, Erwerbsminderung noch nicht festgestellt | Arbeitslosengeld nach § 145 SGB III (Nahtlosigkeit), obwohl das Arbeitsverhältnis besteht |
| dauerhaft eingeschränkt | Reha-Antrag oder Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Rentenversicherung |
| andere Tätigkeit möglich | leidensgerechter Arbeitsplatz beim Arbeitgeber, BEM-Gespräch |
Die Krankenkasse informiert in der Regel einige Wochen vor dem Ende des Krankengeldes und fordert häufig zu einem Reha-Antrag auf. Die Kranken- und Pflegeversicherung läuft danach über das Arbeitslosengeld, eine Familienversicherung oder als obligatorische Anschlussversicherung weiter (§ 188 Abs. 4 SGB V).
| Thema | Was zu tun ist |
|---|---|
| Meldung bei Krankengeldbezug | Unterbrechungsmeldung mit Abgabegrund 51, wenn die Entgeltersatzleistung mindestens einen vollen Kalendermonat dauert |
| Meldung nach Aussteuerung | Kehrt der Beschäftigte nicht zurück, gilt die Beschäftigung nur noch einen Monat ohne Entgelt fort (§ 7 Abs. 3 SGB IV). Danach Abmeldung mit Abgabegrund 34 – gemeldet wird nur dieser eine Monat mit 0 € Entgelt. |
| Entgeltbescheinigungen | Angaben zum Krankengeld elektronisch über EEL an die Krankenkasse |
| Arbeitsbescheinigung | Die Agentur für Arbeit kann sie für das Arbeitslosengeld anfordern (§ 312 SGB III) |
| BEM | Betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten, sobald jemand innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen arbeitsunfähig war (§ 167 Abs. 2 SGB IX) |
| Urlaub | Urlaub entsteht auch während der Krankheit. Bei durchgehender Arbeitsunfähigkeit verfällt der gesetzliche Urlaub 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres. |
Nein. Die Aussteuerung ist eine Frage des Krankenversicherungsrechts, nicht des Arbeitsrechts. Das Arbeitsverhältnis ruht, bis es durch Kündigung, Aufhebungsvertrag, Befristungsende oder Rente endet. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur unter engen Voraussetzungen wirksam: negative Gesundheitsprognose, erhebliche betriebliche Beeinträchtigung und Interessenabwägung. Ein unterlassenes BEM erschwert die Kündigung erheblich.
Taxmaro ist die Austauschplattform zwischen Unternehmen und Steuerkanzlei. Sie erfassen Abwesenheiten, Zeiten, Zuschläge und Personaldokumente einmal digital, Ihre Kanzlei übernimmt die Daten direkt in ihr Lohnprogramm (zum Beispiel DATEV, Addison oder Agenda) und rechnet ab. Rückfragen, Bescheinigungen und Auswertungen laufen über denselben Kanal statt über E-Mail und Papier.
Nach 78 Wochen Krankengeld wegen derselben Krankheit innerhalb von drei Jahren (§ 48 SGB V). Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zählen mit.
Es besteht weiter und ruht. Es endet nur durch Kündigung, Aufhebungsvertrag, Befristung oder Renteneintritt.
Ja, über die Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III), solange noch nicht über eine Erwerbsminderung entschieden ist und die Leistungsfähigkeit voraussichtlich länger als sechs Monate eingeschränkt ist.
Mit Abgabegrund 34, wenn die Arbeit nach dem Krankengeld nicht wieder aufgenommen wird. Gemeldet wird nur der eine Monat ohne Entgelt nach Ende des Krankengeldes.
Brutto 135,63 € pro Kalendertag. Das sind 70 % der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze von 193,75 €.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.
