Aussteuerung beim Krankengeld: Was nach 78 Wochen gilt – für Beschäftigte und Arbeitgeber

October 24, 2026

Was Aussteuerung bedeutet, wann sie eintritt, welche Wege es für ungekündigte Beschäftigte gibt und welche Meldungen und Pflichten auf Arbeitgeber zukommen.

Kurz beantwortet: Aussteuerung bedeutet, dass die Krankenkasse kein Krankengeld mehr zahlt, weil der Höchstanspruch erschöpft ist: 78 Wochen wegen derselben Krankheit innerhalb von drei Jahren (§ 48 SGB V). Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung werden dabei mitgezählt. Das Arbeitsverhältnis endet durch die Aussteuerung nicht. Wer weiter arbeitsunfähig ist, kann über die Nahtlosigkeitsregelung Arbeitslosengeld beziehen (§ 145 SGB III). Arbeitgeber melden den Beschäftigten einen Monat nach Ende des Krankengeldes mit Abgabegrund 34 ab.

Stand: Oktober 2026.

Was bedeutet „ausgesteuert“?

Ausgesteuert ist, wer wegen derselben Krankheit die Höchstbezugsdauer des Krankengeldes erreicht hat. Maßgeblich ist eine sogenannte Blockfrist von drei Jahren ab Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit. Tritt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, verlängert sich die Bezugsdauer nicht (§ 48 Abs. 1 Satz 2 SGB V).

Zeitachse bis zur Aussteuerung

ZeitraumLeistungWer zahltRechtsgrundlage
Woche 1–6Entgeltfortzahlung 100 %Arbeitgeber§ 3 EFZG
ab Woche 7Krankengeld (70 % des Bruttos, höchstens 90 % des Nettos)Krankenkasse§ 47 SGB V
Ende Woche 78Aussteuerung, Krankengeld endet–§ 48 SGB V
danachggf. Arbeitslosengeld (Nahtlosigkeit), Rente, RehaAgentur für Arbeit / Rentenversicherung§ 145 SGB III

Das Höchstkrankengeld beträgt 2026 brutto 135,63 € pro Kalendertag (70 % von 193,75 €, der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung).

Ungekündigt und ausgesteuert – was nun?

SituationMöglicher Weg
wieder arbeitsfähigRückkehr an den Arbeitsplatz, gegebenenfalls über eine stufenweise Wiedereingliederung
weiter arbeitsunfähig, Erwerbsminderung noch nicht festgestelltArbeitslosengeld nach § 145 SGB III (Nahtlosigkeit), obwohl das Arbeitsverhältnis besteht
dauerhaft eingeschränktReha-Antrag oder Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Rentenversicherung
andere Tätigkeit möglichleidensgerechter Arbeitsplatz beim Arbeitgeber, BEM-Gespräch

Die Krankenkasse informiert in der Regel einige Wochen vor dem Ende des Krankengeldes und fordert häufig zu einem Reha-Antrag auf. Die Kranken- und Pflegeversicherung läuft danach über das Arbeitslosengeld, eine Familienversicherung oder als obligatorische Anschlussversicherung weiter (§ 188 Abs. 4 SGB V).

Pflichten des Arbeitgebers bei Aussteuerung

ThemaWas zu tun ist
Meldung bei KrankengeldbezugUnterbrechungsmeldung mit Abgabegrund 51, wenn die Entgeltersatzleistung mindestens einen vollen Kalendermonat dauert
Meldung nach AussteuerungKehrt der Beschäftigte nicht zurück, gilt die Beschäftigung nur noch einen Monat ohne Entgelt fort (§ 7 Abs. 3 SGB IV). Danach Abmeldung mit Abgabegrund 34 – gemeldet wird nur dieser eine Monat mit 0 € Entgelt.
EntgeltbescheinigungenAngaben zum Krankengeld elektronisch über EEL an die Krankenkasse
ArbeitsbescheinigungDie Agentur für Arbeit kann sie für das Arbeitslosengeld anfordern (§ 312 SGB III)
BEMBetriebliches Eingliederungsmanagement anbieten, sobald jemand innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen arbeitsunfähig war (§ 167 Abs. 2 SGB IX)
UrlaubUrlaub entsteht auch während der Krankheit. Bei durchgehender Arbeitsunfähigkeit verfällt der gesetzliche Urlaub 15 Monate nach Ende des Urlaubsjahres.

Endet das Arbeitsverhältnis automatisch?

Nein. Die Aussteuerung ist eine Frage des Krankenversicherungsrechts, nicht des Arbeitsrechts. Das Arbeitsverhältnis ruht, bis es durch Kündigung, Aufhebungsvertrag, Befristungsende oder Rente endet. Eine krankheitsbedingte Kündigung ist nur unter engen Voraussetzungen wirksam: negative Gesundheitsprognose, erhebliche betriebliche Beeinträchtigung und Interessenabwägung. Ein unterlassenes BEM erschwert die Kündigung erheblich.

Was bedeutet das für die Lohnabrechnung?

  • Während des Krankengeldbezugs fallen keine Lohnsteuer und keine Beiträge an. Die Kasse zahlt die Beiträge aus dem Krankengeld.
  • Nach der Abmeldung wird der Beschäftigte im Lohnprogramm als ruhend geführt. Bei Rückkehr folgt eine Anmeldung mit Abgabegrund 13.
  • Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld während des Ruhens können trotzdem beitragspflichtig sein und sind dann dem letzten Monat mit Beschäftigung zuzuordnen.
  • Urlaubsabgeltung bei späterem Ausscheiden: Auch während Langzeitkrankheit entstandener, nicht verfallener Urlaub ist abzugelten (§ 7 Abs. 4 BUrlG).

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Häufige Fragen

Wann ist man ausgesteuert?

Nach 78 Wochen Krankengeld wegen derselben Krankheit innerhalb von drei Jahren (§ 48 SGB V). Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zählen mit.

Was passiert mit dem Arbeitsverhältnis nach der Aussteuerung?

Es besteht weiter und ruht. Es endet nur durch Kündigung, Aufhebungsvertrag, Befristung oder Renteneintritt.

Bekommt man nach der Aussteuerung Arbeitslosengeld, obwohl man nicht gekündigt ist?

Ja, über die Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III), solange noch nicht über eine Erwerbsminderung entschieden ist und die Leistungsfähigkeit voraussichtlich länger als sechs Monate eingeschränkt ist.

Wie meldet der Arbeitgeber nach der Aussteuerung ab?

Mit Abgabegrund 34, wenn die Arbeit nach dem Krankengeld nicht wieder aufgenommen wird. Gemeldet wird nur der eine Monat ohne Entgelt nach Ende des Krankengeldes.

Wie hoch ist das Krankengeld 2026 maximal?

Brutto 135,63 € pro Kalendertag. Das sind 70 % der kalendertäglichen Beitragsbemessungsgrenze von 193,75 €.

Weiterführende Beiträge

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall.

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FAQ

Wann ist man ausgesteuert?
Was passiert mit dem Arbeitsverhältnis nach der Aussteuerung?
Bekommt man nach der Aussteuerung Arbeitslosengeld, obwohl man nicht gekündigt ist?
Wie meldet der Arbeitgeber nach der Aussteuerung ab?

Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.
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