Sonderurlaub Todesfall - Dauer, Anspruch & Praxis 2026

June 1, 2026

Beim Todesfall naher Angehörigen haben Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub. Dieser Glossar-Eintrag erklärt Dauer, anspruchsberechtigte Personen, Rechtsgrundlage nach § 616 BGB und Sonderfälle - klar für Arbeitgeber 2026.

Der Tod eines nahen Angehörigen ist eine der schwersten persönlichen Situationen. Arbeitnehmer haben dann Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige für Arbeitgeber zusammen - praxisnah und mit Empathie.

Was ist Sonderurlaub im Todesfall?

Sonderurlaub im Todesfall ist eine bezahlte Freistellung von der Arbeit beim Tod eines nahen Angehörigen. Er ermöglicht Trauerbewältigung, Organisation der Beerdigung und Erledigung administrativer Aufgaben (Nachlass, Bestattung).

Rechtsgrundlage ist § 616 BGB: "Der zur Dienstleistung Verpflichtete wird des Anspruchs auf die Vergütung nicht dadurch verlustig, dass er für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird."

Konkretisiert durch:

  • Tarifverträge: Regeln genaue Dauer und Anlassfälle (z.B. TVöD § 29)
  • Arbeitsverträge: Können § 616 BGB ergänzen oder ausschließen
  • Betriebsvereinbarungen: Branchenübliche Regelungen
  • Rechtsprechung: BAG-Urteile zur Auslegung des Begriffs "nicht erhebliche Zeit"

Wer hat Anspruch auf Sonderurlaub bei Todesfall?

Bei nahen Angehörigen

Anspruch besteht typischerweise bei Tod von:

  • Ehepartner / Lebenspartner: meist 2-3 Tage
  • Kindern (einschließlich Stief- und Adoptivkinder): meist 2-3 Tage
  • Eltern (auch Schwiegereltern): meist 1-2 Tage
  • Geschwistern: meist 1 Tag

Bei entfernteren Angehörigen

Bei Tod von Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins gibt es üblicherweise keinen automatischen Anspruch - es sei denn, der Tarif- oder Arbeitsvertrag sieht dies vor. Unbezahlter Sonderurlaub kann jedoch oft mit dem Arbeitgeber vereinbart werden.

Bei Lebensgemeinschaften

Eingetragene Lebenspartnerschaft und nicht-eheliche Lebensgemeinschaft (sofern eingetragen oder gemeinsame Wohnung) sind heute idR gleichgestellt. Tarifverträge haben sich angepasst (§ 29 TVöD nennt ausdrücklich "Lebenspartner").

Beim Todesfall des Mitarbeiters selbst

Verstirbt der Mitarbeiter, endet das Arbeitsverhältnis automatisch (§ 613 BGB). Pflichten Arbeitgeber: Endabrechnung, Sterbegeld nach Tarif oder BV, SV-Abmeldung, eventuell Hinterbliebenenversorgung.

Wie wird der Sonderurlaub gewährt?

Ablauf in der Praxis

SchrittAktivitätFrist1Mitarbeiter meldet TodesfallUnverzüglich (Anzeigepflicht)2Sonderurlaub mündlich oder schriftlich genehmigenSofort3Sterbeurkunde anfordern (bei Bedarf)Nach Bestattung4Dokumentation in PersonalakteBei Genehmigung5Lohnfortzahlung in regulärer AbrechnungNächste Lohnabrechnung

Tarifliche Konkretisierungen (Beispiele)

TarifvertragBei Tod von Ehepartner/KindBei Tod von ElternTVöD (Bund/Kommunen)2 Arbeitstage1 ArbeitstagIG Metall NRW2 Arbeitstage2 ArbeitstageIGBCE3 Arbeitstage2 ArbeitstageGastgewerbe DEHOGA1-2 Tage (regional)1 Tag

Reisezeit und Bestattung im Ausland

Bei Bestattung im Ausland kann zusätzliche Zeit gewährt werden - oft 1-2 weitere Tage als unbezahlter Sonderurlaub. Eine gesetzliche Pflicht besteht nicht, aber pietätvolle Praxis ist verbreitet.

Sonderfälle und Stolperfallen

§ 616 BGB ausgeschlossen?

Vorsicht: Viele Arbeitsverträge schließen § 616 BGB aus ("Eine Vergütungspflicht für Zeiten der Verhinderung nach § 616 BGB besteht nicht"). Dann besteht kein bezahlter Sonderurlaubsanspruch - aber unbezahlter Sonderurlaub bleibt möglich. AGB-Prüfung: Ein totaler Ausschluss aller persönlichen Verhinderungsgründe kann sittenwidrig sein.

Anzeigepflicht des Mitarbeiters

Der Mitarbeiter muss den Arbeitgeber unverzüglich informieren - bei Tod meist telefonisch. Schriftliche Bestätigung (auch per E-Mail) sollte folgen. Verspätete Anzeige kann theoretisch zum Verlust des Anspruchs führen.

Todesfall während Urlaub

Bei Todesfall während regulärem Erholungsurlaub: Mitarbeiter kann verlangen, dass die Tage nach § 616 BGB nicht auf den Urlaub angerechnet werden - ähnlich wie Krankheit im Urlaub (§ 9 BUrlG, analoge Anwendung).

Pietät und Kondolenz

Empfehlung: Kondolenzschreiben des Arbeitgebers, ggf. Kondolenzbesuch, Trauerflor oder Blumen zur Beerdigung. Dies sind keine gesetzlichen Pflichten, aber haben hohe Bedeutung für Mitarbeiterbindung und Arbeitgebermarke.

Sonderurlaub Todesfall 2026: Aktuelle Werte und Änderungen

Die gesetzliche Grundlage § 616 BGB bleibt 2026 unverändert. Die konkrete Auslegung der "nicht erheblichen Zeit" durch BAG-Rechtsprechung bewegt sich seit Jahren bei 1-3 Tagen je nach Verwandtschaftsgrad.

Trend: Mehr Unternehmen bieten erweiterten Bereavement Leave nach US-Vorbild - bis 5 Tage bezahlt zur Trauerbewältigung, insbesondere bei Tod von Kind oder Ehepartner. Dies dient Mitarbeiterbindung und gehört zu modernen Benefits.

Praxistipp 2026: Klare Regelung in Arbeitsvertrag oder Betriebsvereinbarung verhindert Streit. Empfehlung: Tabelle mit Anlasstagen und Tagen (z.B. Tod Ehepartner 2 Tage, Tod Kind 3 Tage, Tod Eltern 2 Tage, Tod Geschwister 1 Tag). Steuerlich: Lohnfortzahlung im Todesfall ist reguläres Arbeitsentgelt.

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Taxmaro unterstützt Arbeitgeber bei der Lohnfortzahlung im Todesfall, der Endabrechnung verstorbener Mitarbeiter und der korrekten SV-Abmeldung.

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.