Kündigungsfrist Probezeit - Dauer, Regeln & Praxis 2026

June 2, 2026

Während der Probezeit gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von 2 Wochen. Dieser Glossar-Eintrag erklärt Dauer der Probezeit, Berechnung, Sonderkündigungsschutz und EU-Transparenzrichtlinie - praxisorientiert für Arbeitgeber 2026.

Die Kündigungsfrist in der Probezeit beträgt nach § 622 Abs. 3 BGB 2 Wochen ohne Termin. Sie gilt für maximal 6 Monate. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige für Arbeitgeber zusammen.

Was ist die Kündigungsfrist in der Probezeit?

Die Probezeit ist eine vertraglich vereinbarte Phase zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses, in der beide Seiten die Zusammenarbeit prüfen. Während dieser Phase gilt eine verkürzte Kündigungsfrist von 2 Wochen ohne Termin - geregelt in § 622 Abs. 3 BGB.

Die Probezeit darf nach § 622 Abs. 3 BGB maximal 6 Monate dauern. Eine längere Vereinbarung ist unwirksam - die verkürzte Frist gilt dann nur für die ersten 6 Monate. Tarifverträge können kürzere, aber nicht längere Probezeiten vorsehen.

Wichtig: Die Probezeit ist keine automatische Folge eines neuen Arbeitsverhältnisses - sie muss ausdrücklich im Arbeitsvertrag vereinbart sein. Fehlt die Klausel, gilt von Beginn an die reguläre Kündigungsfrist von 4 Wochen zum 15./Monatsende.

Wer hat welche Probezeit-Regelung?

Normale Arbeitsverhältnisse

Vollzeit-, Teilzeit- und Minijob-Beschäftigungen: Probezeit bis 6 Monate, Kündigungsfrist 2 Wochen. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermassen anwendbar.

Auszubildende (§ 20 BBiG)

Bei Auszubildenden gelten Sonderregeln: Probezeit zwischen 1 und 4 Monaten zwingend (§ 20 BBiG). Während der Probezeit ist eine fristlose Kündigung jederzeit ohne Grund möglich. Nach Probezeit nur noch fristlos aus wichtigem Grund.

Befristete Arbeitsverträge

Befristete Verträge bis 6 Monate können üblicherweise nicht ordentlich gekündigt werden (§ 15 Abs. 3 TzBfG). Eine Probezeit-Kündigung ist nur dann möglich, wenn dies arbeits- oder tarifvertraglich vereinbart wurde.

Tarifvertraegliche Regelungen

Viele Tarifverträge regeln die Probezeit ausführlicher. TVoeD beispielsweise sieht eine sechsmonatige Probezeit mit gestaffelten Kündigungsfristen vor. Tarifregeln gehen dem BGB vor.

Wie wird die Kündigungsfrist in der Probezeit berechnet?

Die Frist beträgt 2 Wochen = 14 Kalendertage ab Zugang der Kündigung beim Empfänger. Sie läuft tageweise und endet zu jedem Wochentag - kein festes Beendigungsdatum (15./Monatsende) wie nach § 622 Abs. 1 BGB.

Berechnungsbeispiele

Zugang Kündigung14 Tage späterBeendigung
1. April (Mi)15. April (Mi)15. April
10. April24. April24. April
20. April4. Mai4. Mai
15. Juni29. Juni29. Juni

Wichtig: Ablauf der Probezeit beachten

Die Kündigung muss innerhalb der Probezeit zugehen, also vor Ablauf der vereinbarten 6 Monate. Geht sie am letzten Probezeit-Tag zu, gilt noch die 2-Wochen-Frist - auch wenn das Beendigungsdatum nach Probezeit fällt.

Beispiel: Probezeit-Ablauf

Arbeitsbeginn 1. April, Probezeit 6 Monate (bis 30. September). Arbeitgeber gibt Kündigung am 28. September ab - Beendigung 12. Oktober. Bei Zugang am 1. Oktober gilt die reguläre Frist (4 Wochen zum 15./Monatsende = 31. Oktober).

Sonderfälle und Stolperfallen

Sonderkündigungsschutz

Auch in der Probezeit gilt Sonderkündigungsschutz für Schwangere (§ 17 MuSchG), Eltern in Elternzeit (§ 18 BEEG), Schwerbehinderte (§ 168 SGB IX - nach 6 Monaten Beschäftigung) und Betriebsräte. Behördliche Zustimmung vor Kündigung erforderlich.

Diskriminierungsverbot (AGG)

Kündigungen wegen Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung oder sexueller Orientierung sind nach § 7 AGG verboten - auch in der Probezeit. Bei Verstoß: Schadenersatz und Entschaedigung nach § 15 AGG.

EU-Transparenzrichtlinie

Seit August 2022 müssen Arbeitgeber die Probezeit-Dauer explizit im schriftlichen Nachweis nennen (§ 2 Abs. 1 Nr. 4 NachwG). Fehlt diese Angabe, drohen Bussgelder.

Verlängerung bei Krankheit?

Die Probezeit verlängert sich nicht automatisch bei Krankheit. Eine vertragliche Verlängerung muss vereinbart sein - und darf die 6-Monats-Grenze nicht überschreiten.

Kündigungsfrist Probezeit 2026: Aktuelle Werte und Änderungen

Die EU-Arbeitsbedingungenrichtlinie 2019/1152 (umgesetzt in DE seit August 2022) bringt 2026 erweiterte Pflichten: Die Probezeit muss verhältnismäßig zur Vertragsdauer sein. Bei befristeten Verträgen unter 6 Monaten sollte die Probezeit angemessen kürzer ausfallen - eine 6-monatige Probezeit bei 12-Monats-Befristung gilt als unangemessen.

Praxisrelevant: Das Bürokratieentlastungsgesetz IV hat die Schriftform für den Arbeitsvertrag aufgeweicht; ein Arbeitsvertrag in Textform (z.B. E-Mail) ist seit 2025 in vielen Fällen ausreichend. Die Schriftform für Kündigungen nach § 623 BGB bleibt jedoch unverändert - auch in der Probezeit gilt nur die unterschriebene Papier-Kündigung.

BAG-Rechtsprechung (Urteil 2 AZR 70/23): Eine in der Probezeit erklärte Kündigung ist auch dann wirksam, wenn der konkrete Kündigungsgrund nicht genannt wird - solange kein Verstoß gegen AGG, Massregelungsverbot oder Sittenwidrigkeit vorliegt.

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.