Kündigungsfrist Arbeitnehmer - Dauer, Berechnung & Praxis 2026

June 1, 2026

Welche Kündigungsfrist gilt für Arbeitnehmer? Dieser Glossar-Eintrag erklärt die gesetzlichen Fristen nach § 622 BGB, Probezeit, Tarif- und Vertragsabweichungen sowie Sonderfälle wie Aufhebungsvertrag und fristlose Kündigung - klar für Arbeitgeber 2026.

Die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer beträgt nach § 622 Abs. 1 BGB 4 Wochen zum 15. oder Monatsende. Abweichungen sind über Tarif- oder Arbeitsvertrag möglich. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige für Arbeitgeber zusammen.

Was ist die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer?

Die Kündigungsfrist ist der Zeitraum zwischen dem Zugang der Kündigung und der tatsächlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Sie dient dem Schutz beider Parteien: Der Arbeitnehmer hat Zeit, eine neue Stelle zu suchen, der Arbeitgeber Zeit, Nachfolge zu organisieren.

Rechtsgrundlage ist § 622 BGB. Nach Absatz 1 beträgt die Grundfrist 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Absatz 2 verlängert die Frist mit zunehmender Betriebszugehörigkeit - diese verlängerten Fristen gelten ausdrücklich nur für Arbeitgeberkündigungen, außer arbeitsvertragliche oder tarifliche Regelungen erstrecken sie auf den Arbeitnehmer.

Für das Kündigungsschreiben selbst gilt nach § 623 BGB Schriftform - elektronische Form (E-Mail) ist unwirksam, auch wenn der Arbeitnehmer kündigt.

Wer hat welche Kündigungsfrist?

Gesetzliche Grundfrist (§ 622 Abs. 1 BGB)

4 Wochen zum 15. oder Monatsende - gilt für alle Arbeitnehmer, unabhängig von der Betriebszugehörigkeit. "4 Wochen" bedeutet 28 Kalendertage, nicht einen Monat.

Probezeit (§ 622 Abs. 3 BGB)

Während einer vereinbarten Probezeit (max. 6 Monate) gilt eine verkürzte Frist von 2 Wochen - ohne Termin, also zu jedem Tag. Eine Probezeit muss ausdrücklich vereinbart sein.

Befristete Arbeitsverträge

Befristete Verträge enden automatisch zum vereinbarten Datum. Eine ordentliche Kündigung ist nur möglich, wenn dies arbeits- oder tarifvertraglich vereinbart wurde (§ 15 Abs. 3 TzBfG). Ohne Vereinbarung sind nur ausserordentliche Kündigungen aus wichtigem Grund (§ 626 BGB) zulässig.

Tarifvertragliche Regelungen

Viele Tarifverträge sehen abweichende Fristen vor - z.B. TVoeD: gestaffelt von 1 Monat bis 6 Monate je nach Betriebszugehörigkeit, oft auch für den Arbeitnehmer geltend. Tarifregeln gehen dem BGB vor (§ 622 Abs. 4 BGB).

Wie wird die Kündigungsfrist berechnet?

Der Fristenlauf beginnt mit Zugang der Kündigung beim Empfänger. Die 4 Wochen sind exakte 28 Kalendertage; danach muss das Vertragsende auf den 15. oder den letzten Tag des Monats fallen.

Berechnungsbeispiele

Zugang Kündigung4 Wochen danachNächstmoeglicher Termin
1. März29. März30. April
10. März7. April15. April
20. April18. Mai31. Mai
30. April28. Mai31. Mai

Wichtig: Die Kündigungsfrist endet zum 15. oder Monatsende - die 4 Wochen müssen vor diesem Termin vollständig abgelaufen sein. Ein Zugang am 18. März führt nicht zum 15. April (nur 28 Tage), sondern zum 30. April (vollendete 4 Wochen + nächster Termin).

Sonderfall: Verlängerung im Arbeitsvertrag

§ 622 Abs. 6 BGB verbietet, dass die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer länger ist als für den Arbeitgeber. Arbeitsvertragliche Klauseln, die dem Arbeitnehmer 6 Monate Kündigungsfrist vorschreiben, dem Arbeitgeber aber nur 4 Wochen, sind unwirksam.

Sonderfälle und Stolperfallen

Fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

Nach § 626 BGB kann der Arbeitnehmer ohne Frist kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (z.B. ausbleibender Lohn, Mobbing, sexuelle Belaestigung). Voraussetzung: Frist von 2 Wochen ab Kenntnis und idR vorherige Abmahnung des Arbeitgebers.

Aufhebungsvertrag statt Kündigung

Beide Seiten können die Frist einvernehmlich verkürzen. Vorsicht beim Arbeitslosengeld: Wer einen Aufhebungsvertrag schließt, riskiert eine 12-woechige Sperrzeit (§ 159 SGB III), sofern kein wichtiger Grund vorliegt.

Schriftform-Fehler

Eine E-Mail-Kündigung oder digital signierte Kündigung des Arbeitnehmers ist nach § 623 BGB unwirksam - das Arbeitsverhältnis besteht weiter, Lohnanspruch bleibt erhalten. Arbeitgeber müssen Mitarbeiter darauf hinweisen.

Massregelungsverbot

Eine Kündigung des Arbeitnehmers darf nicht zu Nachteilen führen - z.B. negatives Zeugnis als Vergeltung verstößt gegen § 612a BGB (Massregelungsverbot). Schadenersatzansprüche möglich.

Kündigungsfrist Arbeitnehmer 2026: Aktuelle Werte und Änderungen

Die gesetzlichen Fristen nach § 622 BGB bleiben 2026 unverändert. Änderungsentwuerfe (etwa eine generelle Verlängerung) wurden bisher nicht verabschiedet.

Praxisrelevant: Die Schriftform nach § 623 BGB bleibt zwingend. Trotz Bürokratieentlastungsgesetz IV (verabschiedet 2024) wurde die Schriftformpflicht für Kündigungen ausdrücklich beibehalten - elektronische Signaturen sind weiterhin unwirksam.

Die Sperrzeit nach § 159 SGB III bei eigener Kündigung bleibt bei 12 Wochen - relevant bei Beratung von Arbeitnehmern, die ihre Kündigung erklären wollen. Bei wichtigem Grund (Mobbing, ausbleibender Lohn, Gesundheitsgefährdung) entfällt die Sperrzeit. Wichtig für das Arbeitszeugnis: Pflicht nach § 109 GewO bleibt unverändert.

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FAQ

Welche Kündigungsfrist hat ein Arbeitnehmer?
Gilt die Kündigungsfrist in der Probezeit?
Wie wird die Kündigungsfrist berechnet?
Welche Pflichten hat der Arbeitgeber bei Arbeitnehmerkündigung?

Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.