Kuendigungsfrist Arbeitnehmer - Dauer, Berechnung & Praxis 2026

May 17, 2026

Welche Kuendigungsfrist gilt fuer Arbeitnehmer? Dieser Glossar-Eintrag erklaert die gesetzlichen Fristen nach § 622 BGB, Probezeit, Tarif- und Vertragsabweichungen sowie Sonderfaelle wie Aufhebungsvertrag und fristlose Kuendigung - klar fuer Arbeitgeber 2026.

Die Kuendigungsfrist fuer Arbeitnehmer betraegt nach § 622 Abs. 1 BGB 4 Wochen zum 15. oder Monatsende. Abweichungen sind ueber Tarif- oder Arbeitsvertrag moeglich. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige fuer Arbeitgeber zusammen.

Was ist die Kuendigungsfrist fuer Arbeitnehmer?

Die Kuendigungsfrist ist der Zeitraum zwischen dem Zugang der Kuendigung und der tatsaechlichen Beendigung des Arbeitsverhaeltnisses. Sie dient dem Schutz beider Parteien: Der Arbeitnehmer hat Zeit, eine neue Stelle zu suchen, der Arbeitgeber Zeit, Nachfolge zu organisieren.

Rechtsgrundlage ist § 622 BGB. Nach Absatz 1 betraegt die Grundfrist 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Absatz 2 verlaengert die Frist mit zunehmender Betriebszugehoerigkeit - diese verlaengerten Fristen gelten ausdruecklich nur fuer Arbeitgeberkuendigungen, ausser arbeitsvertragliche oder tarifliche Regelungen erstrecken sie auf den Arbeitnehmer.

Fuer das Kuendigungsschreiben selbst gilt nach § 623 BGB Schriftform - elektronische Form (E-Mail) ist unwirksam, auch wenn der Arbeitnehmer kuendigt.

Wer hat welche Kuendigungsfrist?

Gesetzliche Grundfrist (§ 622 Abs. 1 BGB)

4 Wochen zum 15. oder Monatsende - gilt fuer alle Arbeitnehmer, unabhaengig von der Betriebszugehoerigkeit. "4 Wochen" bedeutet 28 Kalendertage, nicht einen Monat.

Probezeit (§ 622 Abs. 3 BGB)

Waehrend einer vereinbarten Probezeit (max. 6 Monate) gilt eine verkuerzte Frist von 2 Wochen - ohne Termin, also zu jedem Tag. Eine Probezeit muss ausdruecklich vereinbart sein.

Befristete Arbeitsvertraege

Befristete Vertraege enden automatisch zum vereinbarten Datum. Eine ordentliche Kuendigung ist nur moeglich, wenn dies arbeits- oder tarifvertraglich vereinbart wurde (§ 15 Abs. 3 TzBfG). Ohne Vereinbarung sind nur ausserordentliche Kuendigungen aus wichtigem Grund (§ 626 BGB) zulaessig.

Tarifvertragliche Regelungen

Viele Tarifvertraege sehen abweichende Fristen vor - z.B. TVoeD: gestaffelt von 1 Monat bis 6 Monate je nach Betriebszugehoerigkeit, oft auch fuer den Arbeitnehmer geltend. Tarifregeln gehen dem BGB vor (§ 622 Abs. 4 BGB).

Wie wird die Kuendigungsfrist berechnet?

Der Fristenlauf beginnt mit Zugang der Kuendigung beim Empfaenger. Die 4 Wochen sind exakte 28 Kalendertage; danach muss das Vertragsende auf den 15. oder den letzten Tag des Monats fallen.

Berechnungsbeispiele

Zugang Kuendigung4 Wochen danachNaechstmoeglicher Termin
1. Maerz29. Maerz30. April
10. Maerz7. April15. April
20. April18. Mai31. Mai
30. April28. Mai31. Mai

Wichtig: Die Kuendigungsfrist endet zum 15. oder Monatsende - die 4 Wochen muessen vor diesem Termin vollstaendig abgelaufen sein. Ein Zugang am 18. Maerz fuehrt nicht zum 15. April (nur 28 Tage), sondern zum 30. April (vollendete 4 Wochen + naechster Termin).

Sonderfall: Verlaengerung im Arbeitsvertrag

§ 622 Abs. 6 BGB verbietet, dass die Kuendigungsfrist fuer den Arbeitnehmer laenger ist als fuer den Arbeitgeber. Arbeitsvertragliche Klauseln, die dem Arbeitnehmer 6 Monate Kuendigungsfrist vorschreiben, dem Arbeitgeber aber nur 4 Wochen, sind unwirksam.

Sonderfaelle und Stolperfallen

Fristlose Kuendigung durch den Arbeitnehmer

Nach § 626 BGB kann der Arbeitnehmer ohne Frist kuendigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (z.B. ausbleibender Lohn, Mobbing, sexuelle Belaestigung). Voraussetzung: Frist von 2 Wochen ab Kenntnis und idR vorherige Abmahnung des Arbeitgebers.

Aufhebungsvertrag statt Kuendigung

Beide Seiten koennen die Frist einvernehmlich verkuerzen. Vorsicht beim Arbeitslosengeld: Wer einen Aufhebungsvertrag schliesst, riskiert eine 12-woechige Sperrzeit (§ 159 SGB III), sofern kein wichtiger Grund vorliegt.

Schriftform-Fehler

Eine E-Mail-Kuendigung oder digital signierte Kuendigung des Arbeitnehmers ist nach § 623 BGB unwirksam - das Arbeitsverhaeltnis besteht weiter, Lohnanspruch bleibt erhalten. Arbeitgeber muessen Mitarbeiter darauf hinweisen.

Massregelungsverbot

Eine Kuendigung des Arbeitnehmers darf nicht zu Nachteilen fuehren - z.B. negatives Zeugnis als Vergeltung verstoesst gegen § 612a BGB (Massregelungsverbot). Schadenersatzansprueche moeglich.

Kuendigungsfrist Arbeitnehmer 2026: Aktuelle Werte und Aenderungen

Die gesetzlichen Fristen nach § 622 BGB bleiben 2026 unveraendert. Aenderungsentwuerfe (etwa eine generelle Verlaengerung) wurden bisher nicht verabschiedet.

Praxisrelevant: Die Schriftform nach § 623 BGB bleibt zwingend. Trotz Buerokratieentlastungsgesetz IV (verabschiedet 2024) wurde die Schriftformpflicht fuer Kuendigungen ausdruecklich beibehalten - elektronische Signaturen sind weiterhin unwirksam.

Die Sperrzeit nach § 159 SGB III bei eigener Kuendigung bleibt bei 12 Wochen - relevant bei Beratung von Arbeitnehmern, die ihre Kuendigung erklaeren wollen. Bei wichtigem Grund (Mobbing, ausbleibender Lohn, Gesundheitsgefaehrdung) entfaellt die Sperrzeit. Wichtig fuer das Arbeitszeugnis: Pflicht nach § 109 GewO bleibt unveraendert.

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.