Bradford-Faktor 2026: Formel B = S² × D, Schwellenwerte 0–900+, DAK-Daten 19,5 Fehltage 2025, BEM-Pflicht nach § 167 SGB IX, Datenschutz (DSGVO/BDSG) und häufige Fehler.
Kurzantwort: Der Bradford-Faktor ist eine Kennzahl zur Bewertung des Krankenstands. Er berechnet sich als B = S² × D: S = Anzahl der Krankheitsabschnitte, D = Gesamtfehltage in einem 12-Monats-Zeitraum. Häufige kurze Erkrankungen werden überproportional stärker bewertet als wenige lange. Der Faktor stammt aus der Bradford University Management School und dient als Frühwarnsystem für gezieltes BEM. Wichtig: Eine reine Bradford-Schwelle reicht nach § 26 BDSG und Art. 9 DSGVO nicht als alleinige Kündigungsbegründung.
Der Bradford-Faktor ist eine analytische Kennzahl der Personalwirtschaft, die den Krankheitsstand eines einzelnen Mitarbeiters innerhalb eines Bezugszeitraums (üblich: 12 Monate) bewertet. Anders als die rein quantitative Krankheitsquote berücksichtigt der Bradford-Faktor die Häufigkeit der Erkrankungen und gewichtet sie überproportional.
Hintergrund: Studien der Bradford University Management School Anfang der 1980er-Jahre zeigten, dass kurze, häufige Fehlzeiten betrieblich aufwendiger sind als wenige, lange. Sie verursachen mehr Disposition, Übergaben und Vertretungsaufwand.
Die Berechnung ist denkbar einfach:
B = S² × D
| Szenario | S (Krankheitsabschnitte) | D (Fehltage) | Bradford-Faktor |
|---|---|---|---|
| A: Ein langer Ausfall | 1 | 20 | 1² × 20 = 20 |
| B: Mittlere Verteilung | 4 | 20 | 4² × 20 = 320 |
| C: Viele Kurzfehlzeiten | 10 | 20 | 10² × 20 = 2.000 |
Dasselbe Volumen an Fehltagen (20) führt zu völlig unterschiedlichen Bradford-Werten – je nach Verteilung. Szenario C ist 100-mal höher bewertet als A, obwohl beide gleich viele Tage betragen.
In der britischen und deutschen HR-Praxis haben sich folgende Schwellen etabliert:
| Bradford-Faktor | Typische Reaktion |
|---|---|
| 0–49 | Keine Maßnahmen nötig |
| 50–124 | Aufmerksamkeit, dokumentierte Beobachtung |
| 125–399 | Rückkehrgespräch, ggf. BEM-Angebot |
| 400–899 | Formales Mitarbeitergespräch, Maßnahmenplan |
| 900+ | BEM verbindlich, ggf. arbeitsrechtliche Schritte |
Diese Schwellen sind Orientierungswerte – jedes Unternehmen kann sie individuell festlegen, sollte sie aber in einer Betriebsvereinbarung kodifizieren.
Laut DAK-Gesundheitsreport 2026 und Techniker Krankenkasse lag der Krankenstand in Deutschland 2025 erneut bei 5,4 Prozent. Durchschnittliche Fehltage pro Beschäftigtem:
Hauptursachen: Atemwegserkrankungen, psychische Leiden, Muskel-Skelett-Erkrankungen. Psychische Erkrankungen führten 2025 zu einem Plus von 6,9 % bei den Fehltagen. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) gilt nach IGES-Studie 2025 als wichtiger struktureller Treiber des Rekord-Niveaus – Telefon-AU hingegen ohne nennenswerten Effekt.
In diesem Umfeld hilft der Bradford-Faktor, gezielt die Beschäftigten zu identifizieren, deren kurze und wiederholte Ausfälle die Teamproduktivität besonders beeinträchtigen.
Nach § 167 Abs. 2 SGB IX muss der Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anbieten, wenn ein Beschäftigter innerhalb von 12 Monaten länger als 6 Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig war. Der Bradford-Faktor kann diese 6-Wochen-Schwelle nicht ersetzen, aber die Auswahl der für BEM relevanten Personen praxisnah priorisieren.
Die Erhebung und Verarbeitung von Krankheitsdaten ist sensibel. Wichtig:
{"@context":"https://schema.org","@type":"FAQPage","mainEntity":[{"@type":"Question","name":"Was ist der Bradford-Faktor?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Der Bradford-Faktor ist eine HR-Kennzahl zur Bewertung des Krankenstands eines Mitarbeiters. Formel: B = S² × D, wobei S die Anzahl der Krankheitsabschnitte und D die Gesamtfehltage in einem 12-Monats-Zeitraum sind. Häufige kurze Erkrankungen werden überproportional gewichtet. Entwickelt von der Bradford University Management School in den 1980er-Jahren."}},{"@type":"Question","name":"Wie wird der Bradford-Faktor berechnet?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"B = S² × D. Beispiel: 4 Krankheitsabschnitte mit insgesamt 20 Fehltagen ergeben 4² × 20 = 320. 10 Abschnitte mit 20 Tagen ergeben 10² × 20 = 2.000 – also den 100-fachen Wert eines einzelnen langen Ausfalls (1² × 20 = 20). Damit werden Disposition und Vertretungsaufwand berücksichtigt."}},{"@type":"Question","name":"Welche Bradford-Werte sind kritisch?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"In der HR-Praxis gelten als Orientierung: 0–49 unkritisch, 50–124 Aufmerksamkeit, 125–399 Rückkehrgespräch und BEM-Angebot, 400–899 formales Mitarbeitergespräch mit Maßnahmenplan, ab 900 verbindliches BEM. Die Schwellen sollten in einer Betriebsvereinbarung mit dem Betriebsrat festgelegt werden."}},{"@type":"Question","name":"Kann der Bradford-Faktor eine Kündigung begründen?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Nein, allein nicht. Eine krankheitsbedingte Kündigung setzt eine medizinische Negativprognose, eine Interessenabwägung sowie ein ordentlich durchgeführtes BEM nach § 167 Abs. 2 SGB IX voraus. Der Bradford-Faktor kann als Indiz für die Auswahl BEM-relevanter Beschäftigter dienen, aber keine Kündigung allein tragen."}},{"@type":"Question","name":"Welche Datenschutzregeln gelten für den Bradford-Faktor?","acceptedAnswer":{"@type":"Answer","text":"Krankheitsdaten sind besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Die Verarbeitung darf nur zweckgebunden und auf Basis einer Rechtsgrundlage erfolgen (§ 26 BDSG). Wichtig: nur Fehltage erfassen, keine Diagnosen. Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 und 6 BetrVG."}}]}
