Vertrauensarbeitszeit - Definition, Pflichten & Praxis 2026

May 17, 2026

Vertrauensarbeitszeit ist ein flexibles Arbeitszeitmodell, bei dem Mitarbeitende ihre Arbeitszeit eigenverantwortlich gestalten. Dieser Glossar-Eintrag erklaert Vor- und Nachteile, gesetzliche Pflichten und das Verhaeltnis zur Arbeitszeiterfassungspflicht nach BAG-Urteil.

Vertrauensarbeitszeit ist ein Arbeitszeitmodell ohne feste Anwesenheitskontrolle - der Arbeitgeber vertraut auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. Trotz Vertrauen besteht seit dem BAG-Urteil vom 13.09.2022 die Pflicht zur vollstaendigen Arbeitszeiterfassung. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige fuer Arbeitgeber zusammen.

Was ist Vertrauensarbeitszeit?

Vertrauensarbeitszeit ist ein Arbeitszeitmodell, bei dem der Arbeitgeber auf eine kleinteilige Kontrolle von Anfang, Ende und Pausen verzichtet. Mitarbeitende organisieren ihre Arbeitszeit eigenverantwortlich, um die vereinbarte vertragliche Arbeitsleistung zu erbringen.

Wichtig: Vertrauensarbeitszeit ist kein Verzicht auf die Erfassungspflicht. Das BAG hat in seinem Urteil vom 13.09.2022 (Az. 1 ABR 22/21) klargestellt, dass Arbeitgeber Beginn, Ende und Dauer der taeglichen Arbeitszeit erfassen muessen - unabhaengig vom Arbeitszeitmodell.

Rechtlich ist Vertrauensarbeitszeit eine Form der flexiblen Arbeitszeit nach § 12 TzBfG bzw. eine Auspraegung von Gleitzeit ohne Kernzeit. Sie unterliegt dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und dem Mindestlohngesetz (MiLoG).

Wann ist Vertrauensarbeitszeit sinnvoll?

Wissensarbeiter und Fachkraefte

In IT, Marketing, Beratung und Forschung ist Vertrauensarbeitszeit verbreitet - hier zaehlen Ergebnisse mehr als Praesenz.

Aussendienst und Vertrieb

Reisetaetigkeit, Kundentermine und ergebnisorientierte Verguetung machen Vertrauensarbeitszeit zur Norm.

Hybride und Remote-Modelle

Mit Homeoffice und Remote-Arbeit waechst die Bedeutung der Vertrauensarbeitszeit - der Arbeitgeber kann ohnehin nicht im Detail kontrollieren.

Hochqualifizierte Spezialisten

Bei knapp verfuegbaren Talenten ist Vertrauensarbeitszeit oft Voraussetzung fuer eine Anstellung.

Wie funktioniert Vertrauensarbeitszeit?

Vertragliche Regelung

Vertrauensarbeitszeit muss arbeitsvertraglich oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt sein. Inhalte: Vereinbarte Wochenarbeitszeit, Servicezeiten (z.B. 10-15 Uhr erreichbar), Mehrarbeitsregelung, Mindestpausen.

Erfassungspflicht trotz Vertrauen

Beginn, Ende und Dauer der taeglichen Arbeitszeit muessen erfasst werden - auch bei Vertrauensarbeitszeit. Die Erfassung kann vom Arbeitnehmer selbst gefuehrt werden (Self-Service), z.B. ueber ein digitales Tool oder eine App.

ElementVor BAG 2022Nach BAG 2022
AnwesenheitNicht erfasstNicht zwingend
Beginn/EndeFreiPflicht zu erfassen
PausenVereinbartPflicht zu erfassen
HoechstgrenzenEigenverantwortungEigenverantwortung mit Pflicht zur Pruefung

Beispiel-Wochenplan

Mo: 08:30-12:00, 13:00-17:30 (8h)
Di: 09:00-13:00, 14:00-18:00 (8h)
Mi: 07:00-15:00 (8h - keine Mittagspause da unter 6h+)
Do: 10:00-19:00 mit 1h Pause (8h)
Fr: 08:00-16:00 mit 1h Pause (7h)
Summe: 39h

Sonderfaelle und Stolperfallen

Hoechstarbeitszeit ueberschritten

Vertrauen schuetzt nicht vor § 3 ArbZG. Wer regelmaessig ueber 10h taeglich arbeitet, verstoesst gegen das Gesetz - Arbeitgeber haftet bei Kenntnis.

Ueberstunden und Verguetung

Vertrauensarbeitszeit bedeutet nicht, dass Mehrarbeit ungeleistet bleibt. Bei nachgewiesenen Ueberstunden besteht Vergueterungsanspruch, sofern nicht durch Pauschalierung wirksam abgegolten.

Mindestlohnpflicht

Bei niedrigen Bruttogehaeltern muss die geleistete Stundenzahl dokumentiert werden, um Mindestlohnverstoesse auszuschliessen. Vertrauensarbeitszeit befreit nicht von § 17 MiLoG-Dokumentation.

Pausen und Ruhezeiten

Auch bei Vertrauensarbeitszeit gelten Mindestpausen (§ 4 ArbZG) und Ruhezeiten zwischen den Arbeitstagen (§ 5 ArbZG: mindestens 11 Stunden).

Vertrauensarbeitszeit 2026: Aktuelle Werte und Aenderungen

Der Gesetzentwurf zur elektronischen Arbeitszeiterfassung wird voraussichtlich 2026 verabschiedet. Geplant: Pflicht zur elektronischen Erfassung; Vertrauensarbeitszeit bleibt zulaessig, muss aber technisch unterstuetzt werden. Manuelle Excel-Listen sind nur fuer Kleinstbetriebe vorgesehen.

Auf EU-Ebene treibt die Work-Life-Balance-Richtlinie die Diskussion um das Recht auf Nichterreichbarkeit. Mehrere Bundeslaender pruefen eine Umsetzung; Vertrauensarbeitszeit muss diesem Recht Rechnung tragen.

Mindestlohn 2026: rund 13,90 Euro pro Stunde. Vertrauensarbeitszeit-Modelle, in denen viele Stunden geleistet werden, muessen rechnerisch ueber dem Mindestlohn liegen - sonst drohen Nachforderungen.

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.