Urlaubsanspruch berechnen - BUrlG, Formel & Praxis 2026

May 17, 2026

Wie hoch ist der Urlaubsanspruch eines Mitarbeitenden? Dieser Glossar-Eintrag erklaert die Berechnung nach § 3 BUrlG, anteilige Anspruechen bei unterjaehrigem Eintritt, EuGH-Hinweispflichten und Verfall sowie Sonderfaelle wie Schwerbehinderung 2026.

Der Urlaubsanspruch nach § 3 BUrlG ist eine der zentralen HR-Pflichten. Die korrekte Berechnung verhindert Rechtsstreitigkeiten und Lohnnachzahlungen. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige fuer Arbeitgeber zusammen.

Was ist der Urlaubsanspruch?

Der Urlaubsanspruch ist das gesetzlich verankerte Recht jedes Arbeitnehmers auf bezahlte Freistellung von der Arbeit zur Erholung. Geregelt im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG), insbesondere in § 3 BUrlG: Mindestens 24 Werktage pro Jahr (Montag bis Samstag = 6-Tage-Woche).

Bei der heute ueblichen 5-Tage-Woche entspricht das 20 Arbeitstagen. Viele Tarifvertraege und Arbeitsvertraege gewaehren mehr - branchenueblich 25-30 Arbeitstage.

Der Anspruch dient drei Zwecken: Erholung (gesundheitsrechtlich), Vereinbarkeit (familiaere Verpflichtungen) und Motivation (Mitarbeiterbindung).

Wichtig: Der Urlaubsanspruch ist unabdingbar - vertragliche Klauseln, die den Mindesturlaub nach § 3 BUrlG unterschreiten, sind unwirksam (§ 13 Abs. 1 BUrlG).

Wer hat Anspruch auf Urlaub?

Vollzeitbeschaeftigte

Bei 5 Wochenarbeitstagen: 20 Arbeitstage Mindesturlaub. Bei 6 Wochenarbeitstagen: 24 Werktage. Bei 7-Tage-Schichten (Pflege, Industrie): Berechnung auf Basis der durchschnittlichen Arbeitstage pro Woche.

Teilzeitbeschaeftigte

Teilzeit mit reduzierten Wochenarbeitstagen: Pro-Rata-Anspruch. Mitarbeiterin arbeitet 3 Tage/Woche statt 5: Anspruch = 30 x 3/5 = 18 Arbeitstage (bei 30 Tagen Vollzeit-Anspruch).

Minijobber

Minijobber haben den gleichen Urlaubsanspruch wie Vollzeitkraefte - anteilig nach Wochenarbeitstagen. Wer einmal pro Woche arbeitet: 24/6 = 4 Werktage Mindesturlaub pro Jahr (ohne Tarif).

Auszubildende

Erwachsene Azubis: § 3 BUrlG (24 Werktage). Minderjaehrige nach § 19 JArbSchG: unter 16 Jahren = 30 Werktage, unter 17 Jahren = 27, unter 18 Jahren = 25. Stichtag: 1. Januar des Urlaubsjahres.

Schwerbehinderte (§ 208 SGB IX)

Zusatzurlaub: 5 Werktage (= 5 Arbeitstage bei 5-Tage-Woche). Bei unterjaehriger Schwerbehinderten-Anerkennung anteilig nach Twelftel-Regel.

Wie wird der Urlaubsanspruch berechnet?

Die Grundformel zur Umrechnung lautet:

Urlaubsanspruch = Jahresurlaub x (eigene Wochenarbeitstage / 5)

Wartezeit (§ 4 BUrlG)

Der volle Jahresanspruch entsteht erst nach 6 Monaten Beschaeftigung. Davor besteht ein Teilanspruch nach § 5 Abs. 1 a BUrlG: ein Zwoelftel des Jahresurlaubs pro vollem Beschaeftigungsmonat (Twelftel-Regel).

Beispielrechnungen

SituationBerechnungAnspruch
Eintritt 1.1., Vollzeit, 30 Tage AnspruchVoll nach 6 Monaten Wartezeit30 Tage
Eintritt 1.5., Vollzeit, 30 Tage30 x 8/1220 Tage
Eintritt 1.10., Vollzeit, 30 Tage30 x 3/128 Tage (gerundet)
Teilzeit 3 Tage/Woche, 30 Tage Vollzeit30 x 3/518 Tage
Schwerbehindert, Vollzeit, 30 Tage30 + 535 Tage

Rundung

Bruchteile von Urlaubstagen werden nach § 5 Abs. 2 BUrlG zugunsten des Arbeitnehmers gerundet: Halbe Tage werden aufgerundet (auf ganzen Tag), Anteile darunter abgerundet. Beispiel: 8,5 = 9 Tage; 8,3 = 8 Tage.

Sonderfaelle und Stolperfallen

Kuendigung im 2. Halbjahr

Bei Kuendigung nach dem 30. Juni hat der Arbeitnehmer den vollen Jahresurlaub - der Teilanspruch nach § 5 BUrlG gilt nur fuer das erste Halbjahr. Beispiel: Kuendigung zum 31. August nach 5 Jahren Beschaeftigung: 30 Tage Anspruch (nicht 30 x 8/12).

Elternzeit

Nach § 17 BEEG kann der Arbeitgeber den Urlaub fuer die Elternzeit um ein Zwoelftel pro vollem Elternzeitmonat kuerzen - schriftliche Mitteilung erforderlich. Bei nicht erfolgter Kuerzung bleibt der volle Anspruch.

Langzeiterkrankung und EuGH

Nach EuGH C-518/20 und C-727/20 verfaellt Urlaub bei Langzeiterkrankung nicht, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeiter nicht vor der Erkrankung auf Verfallsrisiko hingewiesen hat. Praktische Konsequenz: Jahresbeginn-Hinweis dokumentieren.

Verfall - Hinweispflicht

BAG 9 AZR 541/15: Urlaub verfaellt nur, wenn der Arbeitgeber den Mitarbeiter klar und rechtzeitig zur Inanspruchnahme aufgefordert und auf den Verfall hingewiesen hat. Ohne Hinweis kein Verfall - selbst nach Jahren noch einklagbar.

Urlaubsanspruch berechnen 2026: Aktuelle Werte und Aenderungen

Der BAG-Beschluss vom 31.01.2023 (9 AZR 244/20) ist 2026 weiter zentral: Die Verjaehrung des Urlaubsanspruchs (§ 195 BGB, 3 Jahre) beginnt erst, wenn der Arbeitgeber seine Hinweis- und Aufforderungspflichten erfuellt hat. Ohne diese Pflicht-Erfuellung sind Urlaubsanspruche unverjaehrbar.

Praktische Empfehlung 2026: Schriftliche Information jedes Mitarbeitenden im Januar und im Spaetherbst (Oktober/November) ueber:

  • aktueller Urlaubsstand und Resttage
  • geltende Verfallsfrist (31.03. Folgejahr)
  • Aufforderung zur Inanspruchnahme
  • Hinweis auf Folgen bei Nichtinanspruchnahme

Der Mindesturlaub nach § 3 BUrlG bleibt 2026 unveraendert. Politische Vorschlaege zur Anhebung auf 25-30 Tage sind im Gespraech, aber nicht verabschiedet. Die Urlaubsabgeltung bei Beendigung bleibt steuer- und sozialversicherungspflichtig als Einmalzahlung (Maerzklausel beachten).

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.