Sonderurlaub 2026: Anlässe, Tage, Anspruch und Ausschluss-Klauseln

May 22, 2026

Sonderurlaub 2026: Welche Anlässe, wie viele Tage und was § 616 BGB regelt. Hochzeit, Geburt, Todesfall, Umzug – plus Ausschluss-Klauseln in Arbeitsverträgen, geplante Familienstartzeit und Abgrenzung zu Bildungs- und Pflegeurlaub.

Kurz & klar: Sonderurlaub ist bezahlte Freistellung für besondere persönliche Ereignisse – Rechtsgrundlage ist § 616 BGB. Üblich sind 1 Tag bei Hochzeit, Geburt eines Kindes, Todesfall enger Angehöriger und Umzug aus dienstlichen Gründen. 2 Tage bei eigener Hochzeit oder Beerdigung von Ehepartner/Kindern. Achtung: § 616 BGB ist dispositiv – in vielen Arbeitsverträgen und Tarifverträgen wird er ganz oder teilweise ausgeschlossen. Wir zeigen die typischen Anlässe, branchenüblichen Tage, Antragsverfahren und häufige Fehler bei Sonderurlaubs-Anträgen 2026.

Was ist Sonderurlaub?

Sonderurlaub ist eine zusätzliche bezahlte Freistellung neben dem regulären Jahresurlaub. Er wird für unverschuldete persönliche Ereignisse gewährt, die das Arbeiten unzumutbar machen. Rechtsgrundlage:

  • § 616 BGB: Vorübergehende Verhinderung – „verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit" gegen Fortzahlung der Vergütung
  • Tarifverträge / Betriebsvereinbarungen: Präzisieren die Tage je nach Anlass
  • Arbeitsverträge: Eigenständige Sonderurlaubs-Regelungen

Wichtig: Anders als beim regulären Urlaub muss der Anlass unverschuldet sein und in der Person des Arbeitnehmers liegen. Eine Verschiebung in den regulären Urlaub ist meist nicht möglich.

Sonderurlaub-Anlässe 2026 im Überblick

AnlassTypische TageHinweis
Eigene Hochzeit / Verpartnerung1–2 TageHäufig 1 Tag, Tarifvertrag oft 2
Hochzeit von Eltern / Kindern / Geschwistern1 TagNur bei persönlicher Teilnahme
Silberne / goldene Hochzeit der Eltern1 TagEigene: oft 1 Tag, Tarifvertrag
Geburt eines Kindes (Vater)1 TagAb 2026: zusätzlich Familienstartzeit (10 Tage, geplant)
Tod von Ehepartner / Kind2 TageTeilweise auch 3 Tage tariflich
Tod von Eltern / Geschwistern1–2 TageTeilnahme an Beerdigung
Tod der Schwiegereltern / Großeltern1 TagBei Teilnahme an Beerdigung
Umzug aus dienstlichen Gründen1–2 TageBei AG-Veranlassung sicher
Umzug aus privaten Gründen0–1 TagHäufig ausgeschlossen
Schwere Erkrankung enger Angehöriger1 TagBei Notlage
Schul-/Studienjubiläum 25/40/50 Jahre Dienstzubehörigkeit1 TagBranchenüblich
Niederkunft der Ehefrau (ältere Regelung)1 TagErsetzt durch Familienstartzeit-Plan

Familienstartzeit: Vaterschaftsurlaub ab 2026

Mit der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie kommt die Familienstartzeit – 10 bezahlte Tage Sonderurlaub für den anderen Elternteil bei Geburt eines Kindes. Das Gesetz war ursprünglich für Anfang 2024 geplant, wurde aber mehrfach verschoben. Stand Mai 2026: Inkrafttreten für 2026/2027 angekündigt. Bis dahin gilt der traditionelle Sonderurlaub von 1 Tag.

Weiterführend: Vaterschaftsurlaub 2025/2026 – neue Regelungen.

§ 616 BGB darf ausgeschlossen werden – und wird oft

Anders als bei vielen Schutzregeln ist § 616 BGB dispositiv. Das bedeutet: Arbeits- und Tarifverträge können ihn ganz oder teilweise ausschließen. Viele Standardarbeitsverträge enthalten Klauseln wie:

„Ein Anspruch auf bezahlte Freistellung nach § 616 BGB besteht nicht."

Folgen bei Ausschluss:

  • Kein bezahlter Sonderurlaub aus § 616 BGB
  • Möglich bleibt unbezahlter Sonderurlaub mit Zustimmung des AG
  • Eltern haben weiterhin Anspruch auf Kinderkrankengeld (§ 45 SGB V)
  • Beerdigungs- und Hochzeitstage können aus dem regulären Urlaub genommen werden

Sonderurlaub bei Krankheit von Familienmitgliedern

Wenn ein Kind unter 12 Jahren erkrankt und betreut werden muss, gilt § 45 SGB V: Anspruch auf Krankengeld vom Krankenkasse, KEIN bezahlter Sonderurlaub vom Arbeitgeber. Voraussetzungen:

  • Kind gesetzlich versichert und unter 12 Jahre alt
  • Ärztliches Attest
  • Keine andere im Haushalt lebende Person kann das Kind betreuen
  • Maximal 15 Tage pro Kind/Jahr (bei Alleinerziehenden 30 Tage)

Bei Erwachsenen-Pflege: § 2 PflegeZG ermöglicht kurzzeitige Arbeitsverhinderung bis zu 10 Tage pro pflegebedürftigem Angehörigen – in Familienunternehmen mit über 25 Beschäftigten mit Lohnersatz über Pflegeunterstützungsgeld.

Antragsverfahren für Sonderurlaub

Für einen wirksamen Sonderurlaubsantrag:

  • Schriftlich beim Arbeitgeber einreichen (per E-Mail oder Personal-App)
  • Anlass benennen (Hochzeit, Todesfall, Umzug etc.)
  • Datum und Dauer angeben
  • Nachweis beifügen oder nachreichen: Heiratsurkunde, Sterbeurkunde, Mietvertrag (Umzug)
  • Genehmigung schriftlich bestaetigen lassen

Tipp: Sonderurlaub frühzeitig anmelden, sobald der Anlass bekannt ist. Bei Todesfällen ist eine telefonische Mitteilung mit nachgereichtem Antrag akzeptabel.

Sonderurlaub vs. Bildungsurlaub vs. Pflegeurlaub

Drei verschiedene Konzepte werden oft verwechselt:

  • Sonderurlaub (§ 616 BGB): Persönliche Ereignisse, bezahlt, oft 1–2 Tage
  • Bildungsurlaub: Landesgesetze (NRW, Berlin, Hamburg etc.), 5 Tage/Jahr für berufliche Weiterbildung, bezahlt
  • Pflegeurlaub (Pflegezeitgesetz): Bis zu 6 Monate unbezahlt für Pflege Angehöriger, Rückkehrrecht garantiert

Folgen für die Lohnabrechnung

Sonderurlaub wird in der Lohnabrechnung wie reguläre Arbeitszeit behandelt:

  • Volle Lohnfortzahlung – keine Kürzung
  • SV-pflichtig und steuerpflichtig wie laufender Lohn
  • Kein Einfluss auf Urlaubs-, Weihnachts- oder Inflationsausgleichszahlungen
  • Bei unbezahltem Sonderurlaub: Beitrags- und Steuerpflicht ruht entsprechend

Häufige Fehler beim Sonderurlaub

  • Ausschluss-Klausel im Arbeitsvertrag übersehen: Mitarbeiter erwarten Tag frei, aber AG-Pflicht entfällt.
  • Tarifvertrag nicht geprüft: Tarifverträge regeln oft mehr Tage als § 616 BGB.
  • Kein Nachweis verlangt: Bei Prüfungen Beweisprobleme.
  • Sonderurlaub mit regulärem Urlaub vermischt: Führt zu falscher Urlaubsbilanz.
  • Familienstartzeit-Reform vergessen: Ab Inkrafttreten müssen Standardprozesse umgestellt werden.

Fazit

Sonderurlaub 2026 ist gesetzlich in § 616 BGB verankert, aber dispositiv – die meisten Standard-Arbeitsverträge schließen den Anspruch ganz oder teilweise aus. Für Arbeitgeber lohnt sich eine klare Sonderurlaubs-Policy: welche Anlässe, wie viele Tage, welche Nachweise. Ab 2026 kommt zusätzlich die Familienstartzeit (10 Tage Vaterschaftsurlaub). Für Mitarbeitende gilt: Arbeitsvertrag prüfen, ob § 616 BGB ausgeschlossen ist.

Weiterführend: Sonderurlaub bei Geburt eines Kindes | Urlaubsantrag 2026

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.