Sonderurlaub 2026: Welche Anlässe, wie viele Tage und was § 616 BGB regelt. Hochzeit, Geburt, Todesfall, Umzug – plus Ausschluss-Klauseln in Arbeitsverträgen, geplante Familienstartzeit und Abgrenzung zu Bildungs- und Pflegeurlaub.
Kurz & klar: Sonderurlaub ist bezahlte Freistellung für besondere persönliche Ereignisse – Rechtsgrundlage ist § 616 BGB. Üblich sind 1 Tag bei Hochzeit, Geburt eines Kindes, Todesfall enger Angehöriger und Umzug aus dienstlichen Gründen. 2 Tage bei eigener Hochzeit oder Beerdigung von Ehepartner/Kindern. Achtung: § 616 BGB ist dispositiv – in vielen Arbeitsverträgen und Tarifverträgen wird er ganz oder teilweise ausgeschlossen. Wir zeigen die typischen Anlässe, branchenüblichen Tage, Antragsverfahren und häufige Fehler bei Sonderurlaubs-Anträgen 2026.
Sonderurlaub ist eine zusätzliche bezahlte Freistellung neben dem regulären Jahresurlaub. Er wird für unverschuldete persönliche Ereignisse gewährt, die das Arbeiten unzumutbar machen. Rechtsgrundlage:
Wichtig: Anders als beim regulären Urlaub muss der Anlass unverschuldet sein und in der Person des Arbeitnehmers liegen. Eine Verschiebung in den regulären Urlaub ist meist nicht möglich.
AnlassTypische TageHinweisEigene Hochzeit / Verpartnerung1–2 TageHäufig 1 Tag, Tarifvertrag oft 2Hochzeit von Eltern / Kindern / Geschwistern1 TagNur bei persönlicher TeilnahmeSilberne / goldene Hochzeit der Eltern1 TagEigene: oft 1 Tag, TarifvertragGeburt eines Kindes (Vater)1 TagAb 2026: zusätzlich Familienstartzeit (10 Tage, geplant)Tod von Ehepartner / Kind2 TageTeilweise auch 3 Tage tariflichTod von Eltern / Geschwistern1–2 TageTeilnahme an BeerdigungTod der Schwiegereltern / Großeltern1 TagBei Teilnahme an BeerdigungUmzug aus dienstlichen Gründen1–2 TageBei AG-Veranlassung sicherUmzug aus privaten Gründen0–1 TagHäufig ausgeschlossenSchwere Erkrankung enger Angehöriger1 TagBei NotlageSchul-/Studienjubiläum 25/40/50 Jahre Dienstzubehörigkeit1 TagBranchenüblichNiederkunft der Ehefrau (ältere Regelung)1 TagErsetzt durch Familienstartzeit-Plan
Mit der EU-Vereinbarkeitsrichtlinie kommt die Familienstartzeit – 10 bezahlte Tage Sonderurlaub für den anderen Elternteil bei Geburt eines Kindes. Das Gesetz war ursprünglich für Anfang 2024 geplant, wurde aber mehrfach verschoben. Stand Mai 2026: Inkrafttreten für 2026/2027 angekündigt. Bis dahin gilt der traditionelle Sonderurlaub von 1 Tag.
Weiterführend: Vaterschaftsurlaub 2025/2026 – neue Regelungen.
Anders als bei vielen Schutzregeln ist § 616 BGB dispositiv. Das bedeutet: Arbeits- und Tarifverträge können ihn ganz oder teilweise ausschließen. Viele Standardarbeitsverträge enthalten Klauseln wie:
„Ein Anspruch auf bezahlte Freistellung nach § 616 BGB besteht nicht."
Folgen bei Ausschluss:
Wenn ein Kind unter 12 Jahren erkrankt und betreut werden muss, gilt § 45 SGB V: Anspruch auf Krankengeld vom Krankenkasse, KEIN bezahlter Sonderurlaub vom Arbeitgeber. Voraussetzungen:
Bei Erwachsenen-Pflege: § 2 PflegeZG ermöglicht kurzzeitige Arbeitsverhinderung bis zu 10 Tage pro pflegebedürftigem Angehörigen – in Familienunternehmen mit über 25 Beschäftigten mit Lohnersatz über Pflegeunterstützungsgeld.
Für einen wirksamen Sonderurlaubsantrag:
Tipp: Sonderurlaub frühzeitig anmelden, sobald der Anlass bekannt ist. Bei Todesfällen ist eine telefonische Mitteilung mit nachgereichtem Antrag akzeptabel.
Drei verschiedene Konzepte werden oft verwechselt:
Sonderurlaub wird in der Lohnabrechnung wie reguläre Arbeitszeit behandelt:
Sonderurlaub 2026 ist gesetzlich in § 616 BGB verankert, aber dispositiv – die meisten Standard-Arbeitsverträge schließen den Anspruch ganz oder teilweise aus. Für Arbeitgeber lohnt sich eine klare Sonderurlaubs-Policy: welche Anlässe, wie viele Tage, welche Nachweise. Ab 2026 kommt zusätzlich die Familienstartzeit (10 Tage Vaterschaftsurlaub). Für Mitarbeitende gilt: Arbeitsvertrag prüfen, ob § 616 BGB ausgeschlossen ist.
