Arbeitszeugnis 2026: Formulierungen, Vorlage und die geheimen Noten richtig deuten

May 22, 2026

Arbeitszeugnis 2026: Pflichtinhalte, die geheimen Noten-Formulierungen von „sehr gut" bis „ungenügend", Schlussformel-Codes und Anspruch auf Korrektur. Mit Mustervorlage und häufigen Fehlern bei der Zeugniserstellung nach § 109 GewO.

Kurz & klar: Jeder Arbeitnehmer hat nach § 109 GewO Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Das Zeugnis muss wahrheitsgemäß und wohlwollend formuliert sein. Im qualifizierten Zeugnis stecken die berüchtigten „Zeugnis-Codes" – zum Beispiel bedeutet „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" Note sehr gut, während „hat sich bemüht" einer 5 entspricht. Wir zeigen die Geheimsprache, Pflichtinhalte, häufige Fehler und eine Muster-Struktur für 2026.

Anspruch auf Arbeitszeugnis nach § 109 GewO

Jeder Arbeitnehmer hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Rechtsgrundlagen:

  • § 109 Abs. 1 GewO: Bei Beendigung Anspruch auf schriftliches Zeugnis
  • § 109 Abs. 2 GewO: Wohlwollenheits- und Wahrheitsgrundsatz
  • § 630 BGB: Ergänzend für freie Mitarbeiter und Geschäftsführer

Anspruch auch bei Aufhebungsvertrag, betriebsbedingter Kündigung, Eigenkündigung und Befristungsende. Zwischenzeugnis kann jederzeit verlangt werden bei wichtigem Anlass (Bewerbung, Vorgesetzten-Wechsel, lange Krankheit).

Einfaches vs. qualifiziertes Arbeitszeugnis

AspektEinfaches ZeugnisQualifiziertes Zeugnis
PflichtinhaltTätigkeit + Dauer der Beschäftigung+ Leistungs- und Verhaltensbewertung
AnspruchAutomatischAuf Wunsch
VerbreitungSeltenStandard

Im Bewerbungs-Alltag ist das einfache Zeugnis problematisch: Es wirkt verdächtig, weil Personaler annehmen, dass eine Bewertung absichtlich vermieden wurde. Empfehlung: immer ein qualifiziertes Zeugnis anfordern.

Pflichtinhalte eines qualifizierten Zeugnisses

Ein vollständiges qualifiziertes Zeugnis enthält:

  • Überschrift: „Zeugnis" oder „Arbeitszeugnis"
  • Persoenliche Daten: Vor- und Nachname, Geburtsdatum (optional)
  • Eintritts- und Austrittsdatum
  • Tätigkeitsbeschreibung: Position, Aufgaben, Verantwortungsbereiche
  • Leistungsbewertung: Arbeitsbereitschaft, Arbeitsweise, Arbeitserfolg
  • Verhaltensbewertung: Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden
  • Beendigungsformel: Grund (auf eigenen Wunsch / einvernehmlich)
  • Schlussformel: Bedauern, Dank, Wunsch für die Zukunft
  • Ort, Datum, Unterschrift (mit Funktion)

Die „Geheimcodes" der Leistungsbewertung

Aus jahrzehntelanger BAG-Rechtsprechung haben sich Standard-Formulierungen etabliert, die jeweils einer Schulnote entsprechen:

NoteBewertungBeispielformulierung
1 (sehr gut)Stets vollste Zufriedenheit„Er/Sie hat die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt."
2 (gut)Stets volle Zufriedenheit„… stets zu unserer vollen Zufriedenheit …"
3 (befriedigend)Volle Zufriedenheit ODER stets Zufriedenheit„… zu unserer vollen Zufriedenheit …" / „stets zu unserer Zufriedenheit"
4 (ausreichend)Zufriedenheit„… zu unserer Zufriedenheit …"
5 (mangelhaft)Bemüht / im Wesentlichen Zufriedenheit„Er/Sie hat sich bemüht, die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erledigen."
6 (ungenügend)Streben oder ungenügend„Er/Sie strebte/bemühte sich."

BAG-Rechtsprechung: Wer eine Bewertung schlechter als befriedigend (Note 3) erhält, kann sich dagegen wehren – der Arbeitgeber muss die schlechte Note beweisen. Umgekehrt muss der Arbeitnehmer eine bessere Note als 3 selbst beweisen (BAG 18.11.2014, 9 AZR 584/13).

Verhaltensbewertung – die Reihenfolge ist entscheidend

Auch das Verhalten wird in standardisierten Formulierungen bewertet. Wichtig: die Reihenfolge der genannten Personen verrät die Wertschätzung:

  • Positiv (Note 1–2): „Ihr/sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich."
  • Mittelmaß (Note 3): „Ihr/sein Verhalten war einwandfrei."
  • Negativ: „Ihr/sein Verhalten gab keinen Anlass zur Beanstandung."

Wenn die Reihenfolge vertauscht wird (z. B. „Kollegen, Vorgesetzten, Kunden"), kann das als Hinweis auf Konflikte mit Vorgesetzten gelesen werden.

Die Schlussformel – oft übersehen, aber entscheidend

Die Schlussformel wird in der Bewerber-Welt sehr ernst genommen:

  • Sehr positiv (1–2): „Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr, danken für die langjährige hervorragende Mitarbeit und wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute, beruflich wie persönlich."
  • Positiv (2–3): „Wir danken für die gute Mitarbeit und wünschen ihm/ihr alles Gute."
  • Neutral/Negativ: „Wir wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute." (Ohne Dank!)
  • Sehr negativ: Schlussformel fehlt ganz

BAG: Es besteht kein Anspruch auf eine Schlussformel – aber wenn eine vorhanden ist, muss sie wahrheitsgemäß sein.

Was darf NICHT im Arbeitszeugnis stehen?

Bestimmte Inhalte sind verboten:

  • Negative Wertungen ohne sachliche Grundlage
  • Krankheitszeiten (außer relevant für die Beendigung)
  • Mitgliedschaft im Betriebsrat oder in der Gewerkschaft
  • Schwangerschaft, Elternzeit
  • Behördliche Ermittlungen, Straftaten (nur bei rechtskräftiger Verurteilung)
  • Ironische oder doppelbödige Formulierungen („auffallend gute Auffassungsgabe")
  • Negative Codes wie „Im Rahmen ihrer Möglichkeiten" (= Note 5)

Anspruch auf Korrektur

Wenn das Zeugnis nicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht, kann der Arbeitnehmer:

  • Eine außergerichtliche Korrektur verlangen (Frist meist 3 Wochen)
  • Vor dem Arbeitsgericht klagen auf Berichtigung (kostenfrei für die erste Instanz)
  • Bei verweigerter Korrektur: Schadensersatzanspruch möglich

Mustervorlage Arbeitszeugnis 2026 (Eckpunkte)

Eine bewährte Struktur:

AbschnittInhalt
Überschrift„Arbeitszeugnis" (zentriert, fett)
EinleitungName, Geburtsdatum (optional), Eintritt, Funktion
UnternehmenKurzbeschreibung des Arbeitgebers
TätigkeitAufgaben, Verantwortung, besondere Projekte
FachwissenKenntnisse, Weiterbildung
ArbeitsweiseSorgfalt, Selbstständigkeit, Belastbarkeit
ArbeitserfolgKonkrete Ergebnisse, Note
VerhaltenGegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden (Reihenfolge beachten!)
BeendigungGrund der Beendigung
SchlussformelBedauern, Dank, Wunsch
Datum, UnterschriftOrt, Datum, Funktion des Unterzeichners

Häufige Fehler bei Arbeitszeugnissen

  • Note schlechter als 3 ohne Beweis: Arbeitsgericht kassiert das häufig.
  • Code-Floskeln ohne zu wissen, was sie bedeuten: Konflikte mit Mitarbeitenden.
  • Schlussformel fehlt: Bewerber-Disqualifikation in vielen Branchen.
  • Verbotene Inhalte: Krankheit, Schwangerschaft – ergibt Anspruch auf Berichtigung.
  • Falsche Reihenfolge bei Verhalten: „Kollegen, Vorgesetzten, Kunden" wird negativ gelesen.
  • Kein Datum: Zeugnis wird ungültig.

Fazit

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis 2026 ist ein wichtiges Instrument der beruflichen Mobilität. Für Arbeitgeber heisst das: Standardformulierungen kennen, BAG-Rechtsprechung beachten, in Konfliktfällen lieber Note 3 (befriedigend) als später Berichtigungsklagen riskieren. Für Arbeitnehmer: Zeugnis aufmerksam prüfen, Schlussformel und Reihenfolge der Personen in der Verhaltensbewertung beachten, bei Unstimmigkeit innerhalb von 3 Wochen Korrektur verlangen.

Weiterführend: Kündigungsfristen 2026 | Kündigungsgründe für Arbeitgeber

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.