Ärztliches Attest – Pflichten, Inhalt & Praxis 2026

May 18, 2026

Ärztliches Attest und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung weisen Arbeitsunfähigkeit nach. Wer es ausstellen darf, welche Inhalte zulässig sind, wann Arbeitgeber es vor dem vierten Tag verlangen dürfen und wie die elektronische eAU 2026 funktioniert – kompakt für die HR-Praxis.

Das ärztliche Attest ist der wichtigste schriftliche Nachweis über eine Erkrankung oder Arbeitsunfähigkeit. Spätestens am vierten Kalendertag der Arbeitsunfähigkeit muss es vorliegen, der Arbeitgeber kann es aber auch früher verlangen. Seit 2023 läuft die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gesetzlich Krankenversicherter elektronisch (eAU) direkt von der Krankenkasse zum Arbeitgeber. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige für Arbeitgeber zusammen.

Was ist ein ärztliches Attest?

Ein ärztliches Attest ist eine schriftliche Bescheinigung einer approbierten Ärztin oder eines approbierten Arztes über den gesundheitlichen Zustand einer Person. Rechtsgrundlage für die wichtigste Form – die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) – ist das Entgeltfortzahlungsgesetz (§ 5 EFZG).

Das Attest erfüllt im Arbeitsverhältnis drei Funktionen: Es belegt die Arbeitsunfähigkeit, schützt den Anspruch auf Entgeltfortzahlung und dokumentiert die Dauer der Erkrankung gegenüber Arbeitgeber und Krankenkasse. Daneben gibt es Atteste für Schulbefreiung, Sportbefreiung, Reisetauglichkeit oder Schwangerschaftsbescheinigung.

Wann muss ein ärztliches Attest vorgelegt werden?

Gesetzliche Frist nach § 5 EFZG

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, muss die ärztliche Bescheinigung spätestens am darauffolgenden Arbeitstag beim Arbeitgeber vorliegen. Der Samstag zählt dabei als Werktag, nicht aber gesetzliche Feiertage.

Attest ab dem ersten Tag

Der Arbeitgeber kann die Vorlage der Bescheinigung auch früher verlangen – etwa ab dem ersten Krankheitstag. Ein sachlicher Grund ist seit der gesetzlichen Klarstellung nicht erforderlich. Die Anweisung sollte schriftlich oder per Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag dokumentiert sein.

Meldepflicht unabhängig vom Attest

Unabhängig vom Attest muss die Erkrankung unverzüglich – in der Regel vor Arbeitsbeginn – gemeldet werden. Die Meldepflicht und die Nachweispflicht sind zwei getrennte Pflichten.

Inhalt und Form des ärztlichen Attests

Standardinhalt einer AU

  • Name und Anschrift der versicherten Person
  • Beginn der Arbeitsunfähigkeit
  • Voraussichtliche Dauer
  • Erstbescheinigung oder Folgebescheinigung
  • Datum, Unterschrift und Stempel der Praxis

Die Diagnose erscheint ausschließlich auf dem Exemplar für die Krankenkasse, nicht auf dem Arbeitgeberexemplar. Arbeitgeber dürfen die Diagnose grundsätzlich nicht erfragen.

Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Seit dem 1. Januar 2023 erhalten Arbeitgeber die AU-Daten gesetzlich Krankenversicherter elektronisch direkt von der Krankenkasse. Beschäftigte müssen die Arbeitsunfähigkeit melden, der Arbeitgeber ruft die Daten dann über das eAU-Verfahren ab. Für privat Versicherte und Minijobber in Privathaushalten gilt weiterhin der klassische Papierschein.

Vorlage als Vorlage-Anforderung

Sehr geehrte/r [Name], gemäß § 5 Absatz 1 Satz 3 EFZG bitten wir Sie ab dem heutigen Tag, im Falle einer Arbeitsunfähigkeit bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen. Diese Anweisung gilt bis auf Widerruf. Mit freundlichen Grüßen [HR]

Sonderfälle und Stolperfallen

Verspätete Vorlage

Legt die Person das Attest verspätet vor, darf der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung bis zur Vorlage zurückhalten (§ 7 EFZG). Eine endgültige Verweigerung ist nur bei dauerhafter Nichtvorlage möglich.

Attest aus dem Ausland

Erkrankungen im Ausland sind unverzüglich der nächstgelegenen Krankenkasse und dem Arbeitgeber zu melden. Das ausländische Attest muss erkennen lassen, dass es sich um eine Arbeitsunfähigkeit handelt – nicht nur um eine Behandlung.

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit

Bei begründeten Zweifeln kann der Arbeitgeber den Medizinischen Dienst (MD) über die Krankenkasse einschalten. Der Beweiswert des Attests ist hoch, aber widerlegbar – etwa bei dokumentiertem Urlaubsantrag oder Konkurrenztätigkeit.

Privatärztliches Attest

Auch ein Attest eines Privatarztes ist gültig. Der Beweiswert ist identisch, allerdings läuft die Datenübermittlung an gesetzliche Krankenkassen nicht über das eAU-Verfahren.

Ärztliches Attest 2026: Aktuelle Werte und Änderungen

2026 läuft die eAU im Regelbetrieb für alle gesetzlich Versicherten. Die maximale Bezugsdauer der Entgeltfortzahlung beträgt unverändert sechs Wochen (§ 3 EFZG) pro Krankheit. Danach übernimmt die gesetzliche Krankenkasse mit dem Krankengeld, das bis zu 78 Wochen innerhalb von drei Jahren bei derselben Erkrankung gezahlt wird. Telearzt-Atteste über die Krankschreibung per Videosprechstunde sind weiterhin zulässig, sofern die Ärztin oder der Arzt die Person hinreichend kennt oder eine Erstuntersuchung erfolgt ist.

Weiterführende Beiträge

Praxis-Tipp: Mit Taxmaro werden eAU-Daten direkt aus der Krankenkassenanbindung in die digitale Personalakte übernommen, Fristen für Entgeltfortzahlung automatisch überwacht und Folgebescheinigungen revisionssicher dokumentiert – ganz ohne Papierscheine.
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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.