Überstundenausgleich – Modelle, Rechte & Praxis 2026

May 18, 2026

Überstundenausgleich: Freizeit, Vergütung, Pauschalen und Verfall. Wie Arbeitgeber Mehrarbeit 2026 korrekt regeln und welche Rolle die Arbeitszeiterfassungspflicht spielt.

Überstundenausgleich ist die Kompensation von Mehrarbeit durch Freizeit oder Vergütung. Welche Variante gilt, hängt von Arbeits-, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung ab – und seit dem BAG-Urteil zur Arbeitszeiterfassung 2022 von einer sauberen Dokumentation. Dieser Glossar-Eintrag fasst alles Wichtige für Arbeitgeber zusammen.

Was ist Überstundenausgleich?

Überstundenausgleich bezeichnet die Kompensation geleisteter Mehrarbeit über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus. Die zwei klassischen Wege sind Freizeitausgleich (1:1 in Freizeit umgewandelt) und finanzielle Vergütung (ausgezahlt, ggf. mit Zuschlag).

Rechtsgrundlage: § 612 BGB (Vergütungspflicht), § 3 und § 7 ArbZG (Höchstarbeitszeit, Ausgleich), ergänzt durch Tarifverträge (z. B. IG Metall, ver.di) und Betriebsvereinbarungen. Voraussetzung für einen Anspruch: Die Mehrarbeit wurde vom Arbeitgeber angeordnet, gebilligt oder geduldet, und sie ist nachweisbar.

Wann besteht Anspruch auf Überstundenausgleich?

Bei angeordneter Mehrarbeit

Die Führungskraft ordnet konkret Überstunden an. Anspruch entsteht automatisch.

Bei stillschweigender Billigung

Der Arbeitgeber weiß von der Mehrarbeit und widerspricht nicht. Auch hier entsteht ein Anspruch.

Bei betrieblich notwendiger Mehrarbeit

Eine eilige Deadline oder Auftragsspitze macht Überstunden objektiv erforderlich.

Tarifliche oder betriebliche Regelung

Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen können detaillierte Regelungen mit Zuschlägen (25 bis 50 Prozent) festlegen.

Wie funktioniert Überstundenausgleich in der Praxis?

Drei gängige Modelle:

  1. Freizeitausgleich (1:1): Geleistete Stunde = freier Stunde. Standard in Gleitzeitmodellen.
  2. Vergütung mit Zuschlag: Stundenlohn + 25-50 Prozent Zuschlag, je nach Tarif. Üblich in Schichtbetrieben.
  3. Mischmodell: Bis zu einer Schwelle Freizeitausgleich, darüber Auszahlung mit Zuschlag.

Beispielrechnung Freizeitausgleich: Vereinbarte 40 Stunden pro Woche, geleistet 48 Stunden = 8 Plusstunden. Ausgleich durch 8 freie Stunden im Folgemonat.

Beispielrechnung Vergütung: Stundenlohn 25 €, Zuschlag 25 Prozent, 10 Überstunden = 25 × 1,25 × 10 = 312,50 € brutto.

Sonderfälle und Stolperfallen

Unwirksame Pauschalklauseln

Mit dem Gehalt sind alle Überstunden abgegolten ist für Normalbeschäftigte nach BAG (5 AZR 296/16) unwirksam. Wirksam nur mit klarer Obergrenze, z. B. bis 10 Überstunden pro Monat.

Verfall ohne Ausgleichsmöglichkeit

Tarifliche Verfallsklauseln greifen nur, wenn der Arbeitgeber dem Mitarbeitenden die Chance zum Ausgleich gegeben hat (BAG 2019).

Überschreitung der Höchstarbeitszeit

Nach ArbZG dürfen es maximal 10 Stunden pro Tag sein, im Schnitt 8 Stunden in 6 Monaten. Überschreitung ist eine Ordnungswidrigkeit.

Nachweis ohne Erfassung

Ohne dokumentierte Arbeitszeiterfassung kein Beweis. Seit BAG 2022 (1 ABR 22/21) ist das Risiko für Arbeitgeber gewachsen.

Überstundenausgleich 2026: Aktuelle Werte und Änderungen

Mit der voraussichtlichen Verabschiedung des neuen Arbeitszeitgesetzes 2026 wird die elektronische Erfassung verpflichtend. Tariflandschaft 2026: IG Metall regelt 25 Prozent Zuschlag, ver.di im öffentlichen Dienst 30 Prozent. Im Krankenhaus-Tarif liegt der Nachtzuschlag bei 30 Prozent. Pauschalklauseln werden vermehrt von Arbeitsgerichten geprüft – Arbeitgeber sollten ihre Verträge überprüfen.

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Laura Stapf

Marketing-Spezialistin

Bei Taxmaro entwickle ich Strategien für einen wirkungsvollen Social-Media-Auftritt. Zudem verfasse ich Fachartikel im Blog zu Themen rund um HR und Lohnbuchhaltung und verbinde dabei fachliche Expertise mit praxisnahen Einblicken.